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Was tun im Todesfall - eine Anleitung für AngehörigeWas tun bei einem Todes­fall – Hin­wei­se für Ange­hö­ri­ge

Als Todes­fall wird der Tod eines Men­schen in einer Gemein­schaft, beson­ders inner­halb der Fami­lie bezeich­net. Gera­de auf­grund die­ser fami­liä­ren Bezie­hung ist die Trau­er in den meis­ten Fäl­len in der nach­fol­gen­den Zeit sehr groß. Jedoch ist dies auch der Zeit­raum, in dem vie­le Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den müs­sen und drin­gen­de Ange­le­gen­hei­ten zu regeln sind. Es ist des­we­gen wich­tig, auch in einer sol­chen Aus­nah­me­si­tua­ti­on struk­tu­riert vor­zu­ge­hen. Hier möch­ten wir Ihnen als Ange­hö­ri­gen eini­ge recht­li­che und prak­ti­sche Hin­wei­se an die Hand geben, die Ihnen bei einem Ster­be­fall eine Ori­en­tie­rung bie­ten.

Sie fin­den am Ende des Arti­kels die wich­tigs­ten Punk­te als Check­lis­te zum Down­load. Hin­ter­le­gen Sie die­se bei Ihren Unter­la­gen, damit Sie bei Ein­tre­ten eines Todes­falls zur Hand ist.

Die ers­ten Schrit­te unmit­tel­bar nach dem Ein­tritt des Todes

In der emo­tio­nal wohl belast­ends­ten Pha­se muss zunächst ein Arzt ver­stän­digt wer­den. Die­ser ist nach der Lei­chen­schau und der offi­zi­el­len Fest­stel­lung des Todes dafür zustän­dig, wich­ti­ge Unter­la­gen, die in der Fol­ge­zeit benö­tigt wer­den, aus­zu­stel­len. Dazu zählt unter ande­rem der Toten­schein, wel­cher per­sön­li­che Infor­ma­tio­nen zum Ver­stor­be­nen sowie zu der Todes­ur­sa­che beinhal­tet. Die­ser ers­te Schritt ent­fällt aber in 80% der Fäl­le, da sich der Tod meist in einem Kran­ken­haus oder Pfle­ge­heim ereig­net, wodurch die ers­ten Maß­nah­men bereits durch das Per­so­nal der jewei­li­gen Ein­rich­tung ein­ge­lei­tet wer­den. 

Zeit­nah soll­ten auch Ver­wand­te und Ange­hö­ri­ge des Ver­stor­be­nen infor­miert wer­den, wel­che für gewöhn­lich bei der Trau­er­be­wäl­ti­gung und den anfal­len­den büro­kra­ti­schen Hür­den hel­fend zur Sei­te ste­hen kön­nen. Han­delt es sich bei dem Ver­stor­be­nen um eine noch berufs­tä­ti­ge Per­son, ist auch des­sen Arbeit­ge­ber zu kon­tak­tie­ren. Man selbst kann in der Regel bei dem eige­nen Arbeit­ge­ber in dem Fal­le, dass ein naher Ange­hö­ri­ger ver­stor­ben ist, für ein paar Tage Son­der­ur­laub bean­tra­gen. Dies ist wich­tig, um fol­gen­den Punk­ten in Ruhe nach­ge­hen zu kön­nen. 

Fin­den und Ord­nen der wich­tigs­ten Unter­la­gen

Beson­ders wich­tig ist es, alle rele­van­ten Doku­men­te des Ver­stor­be­nen zusam­men­zu­su­chen, um sie für spä­te­re Amts­gän­ge und Anträ­ge parat zu haben. Nicht nur eine etwai­ge letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung (bspw. in der Form eines ein­fa­chen Tes­ta­ments) gehö­ren zu den wich­ti­gen Unter­la­gen, son­dern auch der oben genann­te Toten­schein, die Geburts­ur­kun­de, mög­li­cher­wei­se eine Hei­rats­ur­kun­de bzw. ein Schei­dungs­ur­teil (je nach Fami­li­en­stand), sämt­li­che Aus­wei­se (Per­so­nal­aus­weis, Füh­rer­schein, Rei­se­pass) und alle Ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen (Ver­si­che­rungs­kar­te, Ver­si­che­rungs­po­li­cen). 

Beauf­tra­gung eines Bestat­ters

Die Beauf­tra­gung eines Bestat­ters stellt eine Pflicht für die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen des Ver­stor­be­nen dar. Die sog. Bestat­tungs­pflicht besagt, dass der Ver­stor­be­ne inner­halb einer gesetz­lich nor­mier­ten Frist ord­nungs­ge­mäß bestat­tet wer­den muss. Es muss also ein Bestat­tungs­un­ter­neh­men aus­ge­wählt wer­den, mit wel­chem man unter ande­rem die Moda­li­tä­ten der Bestat­tung (Art der Beer­di­gung, Ort der Bei­set­zung etc.) bespricht. Mög­li­cher­wei­se hat der Ver­stor­be­ne bereits zu Leb­zei­ten eine Bestat­tungs­ver­fü­gung getrof­fen oder einen Vor­sor­ge­ver­trag mit einem bestimm­ten Bestat­tungs­un­ter­neh­men abge­schlos­sen, dann sind die Ange­hö­ri­gen in der Aus­wahl des Bestat­tungs­in­sti­tuts nicht mehr frei. 

Auf­ga­be des Bestat­ters ist es ins­be­son­de­re die Über­füh­rung zu ver­an­las­sen (in der Regel inner­halb der ers­ten 96 Stun­den nach dem Todes­fall). 

Die Mit­hil­fe des Bestat­ters kann auch bei der Bean­tra­gung der Ster­be­ur­kun­de beim zustän­di­gen Stan­des­amt in Anspruch genom­men wer­den. Zu beach­ten ist, dass die Ster­be­ur­kun­de an meh­re­re Behör­den geschickt wer­den muss (Kran­ken­kas­se, Ren­ten­ver­si­che­rung, Lebens­ver­si­che­rung, … ), wes­halb sich gleich in mehr­fa­cher Aus­füh­rung bean­tragt wer­den soll­te.
Fol­gen­de Doku­men­te sind dabei vor­zu­le­gen: 

  • den Toten­schein des Ver­stor­be­nen 
  • die Geburts­ur­kun­de 
  • der Per­so­nal­aus­weis 
  • je nach Fami­li­en­stand wei­te­re per­sön­li­che Papie­re, wie z. B. die Hei­rats­ur­kun­de, ein even­tu­el­les Schei­dungs­ur­teil, Ster­be­ur­kun­de des ver­stor­be­nen Ehe­part­ners 

Mit dem Bestat­tungs­un­ter­neh­men wird auch die Art der Bei­set­zung und der Trau­er­fei­er orga­ni­siert. Die Trau­er­fei­er muss dabei nicht in einen reli­giö­sen Rah­men (wenn doch: Pas­tor infor­mie­ren) gebet­tet sein, son­dern kann auch eine welt­li­che Fei­er (bspw. in einem Raum des Bestat­tungs­un­ter­neh­mens) sein. Des Wei­te­ren kann in der loka­len Zei­tung eine Trau­er­an­zei­ge (die Vor­la­gen hier­für hat meist der Bestat­ter) auf­ge­ge­ben wer­den, die unter ande­rem auch beinhal­tet, ob die Bei­set­zung im engs­ten Fami­li­en­kreis statt­fin­den soll oder ob eine gro­ße Trau­er­ge­mein­schaft erwünscht ist. 

Zusam­men mit der Fried­hofs­ver­wal­tung oder dem Kre­ma­to­ri­um soll­ten fol­gen­de Din­ge schnell geklärt wer­den: 

  • Bei­set­zungs­ter­min oder even­tu­ell Ein­äsche­rung 
  • Wahl der Grab­stät­te 
  • Ruhe­dau­er 
  • Deko­ra­ti­on der Trau­er­hal­le, Art der Trau­er­fei­er 

Die Bestat­tungs­kos­ten trägt dabei der Erbe (§ 1986 BGB). 

Anzei­gen des Todes­fal­les bei wei­te­ren Stel­len

Neben dem Arzt, den Ange­hö­ri­gen und dem Bestat­ter müs­sen wei­te­re Stel­len infor­miert wer­den. Dazu zäh­len vor allem Ver­si­che­run­gen. Dabei ist zu beach­ten, dass auch gegen­über Ver­si­che­run­gen ein zeit­na­hes Anzei­gen des Todes des Ver­si­cher­ten erfor­der­lich ist. Meist hat dies inner­halb der ers­ten 48 Stun­den zu erfol­gen, da es ansons­ten zu Pro­ble­men bei der Inan­spruch­nah­me der Ver­si­che­rungs­leis­tung kom­men könn­te. Sind noch nicht alle für die Ver­si­che­rung rele­van­ten Unter­la­gen bei­sam­men, reicht auch eine zunächst nur tele­fo­ni­sche Mit­tei­lung aus. Was genau getan und ein­ge­reicht wer­den muss, hängt von der jewei­li­gen Art der Ver­si­che­rung ab. 

Lief auf den Ver­stor­be­nen eine Lebens- oder Ster­be­geld­ver­si­che­rung, kann die Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­sum­me bean­tragt wer­den. War der Tod die Fol­ge eines Unfalls, muss dies bei der Unfall­ver­si­che­rung gemel­det wer­den. 

Wenn eine beson­ders nahe­ste­hen­de Per­son stirbt (Ehe­part­ner, Eltern­teil), hat dies meist auch Aus­wir­kun­gen auf finan­zi­el­le Unter­halts­leis­tun­gen. Eine beson­de­re Rol­le spielt des­we­gen die sog. Hin­ter­blie­be­nen­ren­te. Die­se muss bei der Ren­ten­ver­si­che­rung bean­tragt wer­den („Wit­wen­ren­te“ bei ver­stor­be­nem Ehe­part­ner oder „Wai­sen­ren­te“ bei Kin­dern) 

Ver­si­che­run­gen, bei denen nicht in einem so engen Zeit­fens­ter eine Abmel­dung zu erfol­gen hat, sind bei­spiels­wei­se die Kran­ken­ver­si­che­rung oder die Pfle­ge­ver­si­che­rung des Ver­stor­be­nen. Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung endet bei­spiels­wei­se auto­ma­tisch mit dem Todes­fall. 

Ein kri­ti­sches The­ma: Nach­lass und Erbe

Ein The­ma, das nach Todes­fäl­len vie­le Fra­gen auf­wirft und oft für Strei­tig­kei­ten sorgt, ist der Nach­lass und das Erbe. Wer Erbe wird, kann der Erb­las­ser vor sei­nem Tod selbst im Rah­men eines Tes­ta­ments oder Erb­ver­trags bestim­men. Ereig­net sich der Tod plötz­lich oder liegt aus einem ande­ren Grund kei­ne letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung vor, so rich­tet sich das Erbe nach der gesetz­li­chen Erb­fol­ge. 

Für den Fall, dass ein Tes­ta­ment vor­liegt, muss die­ses unver­züg­lich beim Nach­lass­ge­richt ein­ge­reicht wer­den. Wird dies unter­las­sen kann ein sol­ches Ver­hal­ten straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen. 

Dar­über hin­aus wird in den meis­ten Fäl­len von den Erben ein Erb­schein beim Nach­lass­ge­richt bean­tragt. Dies geschieht durch Vor­la­ge des Fami­li­en­stamm­buchs, der Ster­be­ur­kun­de und einer eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung über die Rich­tig­keit der gemach­ten Anga­ben. Der Erb­schein ist ein Zeug­nis dar­über, wer Erbe ist und in wel­chem Umfang (Erb­quo­te) meh­re­re Per­so­nen als Erben ein­ge­setzt sind. Die­ser ist erfor­der­lich, um bei­spiels­wei­se bei Bank­in­sti­tu­ten Voll­mach­ten zu bean­tra­gen oder gegen­über Drit­ten einen Nach­weis über die Erben­stel­lung zu füh­ren. Pflicht­teils­be­rech­tig­te und Ver­mächt­nis­neh­mer gel­ten nicht als Erben. Dabei ist zu beach­ten, dass die Bean­tra­gung eines gemein­schaft­li­chen Erb­scheins für alle Mit­er­ben güns­ti­ger ist als die Aus­stel­lung meh­re­rer ein­zel­ner Erb­schei­ne.

Beim Finanz­amt muss inner­halb eines bestimm­ten Zeit­raums nach dem Todes­fall (drei Mona­te) eine Ster­be­an­zei­ge gemacht wer­den, damit bei­spiels­wei­se die Erb­schafts­steu­er ermit­telt wer­den kann.

Kün­di­gun­gen von Ver­trä­gen

Nach­dem die wich­tigs­ten Unter­la­gen bei den Ämtern ein­ge­reicht wur­den, muss noch an die Been­di­gung oder Umstel­lung von wei­te­ren Ver­trä­gen gedacht wer­den. Tele­fon- und Fern­seh­an­schluss, eben­so etwai­ge Zei­tungs­abon­ne­ments müs­sen gekün­digt wer­den. Bestehen Pro­fi­le auf sozia­len Netz­wer­ken (Face­book, Insta­gram, Twit­ter etc.) müs­sen die­se (soweit mög­lich) gelöscht wer­den. Sie soll­ten auch an die Kün­di­gung bestehen­der Mit­glied­schaf­ten (online/offline) den­ken. Hat der Ver­stor­be­ne sei­ne letz­ten Tage in einem Pfle­ge­heim ver­bracht, endet der Heim­ver­trag zwar auto­ma­tisch mit dem Todes­fall, aller­dings müs­sen die per­sön­li­chen Gegen­stän­de inner­halb einer bestimm­ten Frist abge­holt wer­den. Lief auf den Ver­stor­be­nen hin­ge­gen eine Miet­woh­nung, ist auch der Miet­ver­trag zu kün­di­gen, es sei denn Ange­hö­ri­ge wol­len wei­ter­hin in der Woh­nung blei­ben, dann ist der Miet­ver­trag und alle damit ver­bun­de­nen Ver­trä­ge ledig­lich umzu­stel­len. 

Fazit

Die Hin­ter­blie­be­nen ste­hen unmit­tel­bar nach dem Todes­fall eines gelieb­ten Men­schen vor einem Berg an Büro­kra­tie und For­ma­li­tä­ten, den sie bewäl­ti­gen müs­sen. Auch wenn dies zunächst über­for­dernd sein kann, gibt es eini­ge Stel­len, an die sich Betrof­fe­ne wen­den kön­nen, um alle wich­ti­gen Ange­le­gen­hei­ten in die­sem Zusam­men­hang zu bewäl­ti­gen. Bei Unklar­hei­ten oder recht­li­chen Fra­gen soll­ten Sie einen Fach­an­walt für Erbrecht zu Rate zie­hen.. 

Ent­spre­chen­de Hil­fe und einen Ansprechpartner/Fachanwalt fin­den Sie hier auf unse­rer Kanz­lei­sei­te:

https://www.gerauer.de/kanzlei/rechtsanwaelte/ralf-nieke/ 

Die Check­lis­te zum The­ma „Todes­fall in der Fami­lie – was ist zu tun“ fin­den Sie hier zum Down­load:

https://www.gerauer.de/downloads/checkliste_todesfall

 

Rechts­an­walts­kanz­lei Prof. Gerau­er, Pocking

Rechts­an­walt Ralf Nie­ke

Fach­an­walt für Erbrecht

Rechtsanwalt Ralf Nieke Fachanwalt für Erbrecht Hinweise für Angehörige  Was tun bei einem Todesfall in der Familie Checkliste


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